31.12.2010 – Sonnenaufgang / Times Square / Silvesterparty

Der Zeitverschiebung geschuldet war ich bereits um 6 Uhr 30 (12 Uhr 30 Deutscher Zeit) hellwach und ausgeruht. Um 7 Uhr konnte ich einen schönen Sonnenaufgang von meinem Hotelzimmer aus bewundern und fotodokumentieren. Ansonsten war auch einiges für den Tag geplant, vor allem Natürlich Silvester am Times Square. Mangels Hotelinternet – das ich ursprünglich für meine morgendliche Tagesplanung verwenden wollte – musste ich auf den guten alten Stadtplan und meinen analogen Reiseführer zurückgreifen.

Nach einem kurzen Frühstück zur Stärkung ging’s dann direkt los. Erster Stopp war die Grand Central Station. Der große Hauptbahnhof von Manhattan, den man natürlich auch als Kulisse diverse Hollywood-Filme kennt – in meinem Fall zuletzt „Armageddon“, bei dem ein Asteroid durch die großen Frontscheiben saust und das ganze Gebäude verwüstet. Wenn man so in der Mitte der Haupthalle steht fühlt man sich richtig klein und verloren.

Nach einem kleinen Rundgang wanderte ich dann die 42. Straße entlang Richtung Time Square, um ein bisschen mehr von der Stadt selbst zu sehen. Vorbei an der großen Public Library (bekannt z.B. als Zuflucht in „Day after Tomorrow“) kam ich zum Bryant Park, der von einem Meer an kleinen Büdchen gesäumt wird, in denen Künstler ihre Werke zeigen und anbieten. Hier finden allerdings auch öfter andere Veranstaltungen statt. Einen Blick riskieren kann man über eine dort betriebene Webcam auf der offiziellen Seite: http://www.bryantpark.org/plan-your-visit/webcam.html

Immer wieder ein Eyecatcher sind die zahllosen Wolkenkratzer, die sich auf Manhattan Island in den Himmel strecken. So kam mir der Bryant Park wie eine kleine grüne Oase einem Meer aus Beton und Stahl vor. Als guter Münchener, der mit dem Wissen lebt, es gibt (zumindest in der Münchener Innenstadt) kein Gebäude größer als die Frauenkirche, ist das eine faszinierende Erfahrung.

Weiter ging der Spaziergang zum Times Square (http://www.earthcam.com/usa/newyork/timessquare/), der bei Tag zwar immer noch voll beleuchtet und bunt ist, aber bei weitem nicht so stark auf mich wirkte, wie noch am Abend zuvor. Schon am Vortag fielen mir die vielen mobilen Sperrzäune auf, die schon überall auf dem Platz verteilt waren und schon kleinere Areale absperrten. Auch schon bereit waren zwei Bühnen, eine größere und eine kleinere, die an einen Boxring erinnerte.

Nach einem Rundgang – der deutlich flüssiger zu bewerkstelligen war als zuvor, wo es fast kein Durchkommen gab – besuchte ich das Time Square Visitor Center. Dort konnte man sich in einem Rundgang über die Entstehung und Geschichte des Platzes, an dem einst das Redaktionsgebäude der New York Times saß, aber auch der inzwischen zur festen Tradition gehörenden Kristallkugel informieren. Außerdem gab es – begleitet von einem Video – eine Demonstration anhand einer Replik, wie die Kugel dann zum Jahreswechsel ausgeleuchtet wird.

Nachdem zwar schon die ersten Feierlaunigen Position bezogen hatten, aber alles noch offen war, setzte ich meinen Spaziergang mit einer Runde erst den Broadway entlang und dann einmal rund um den Times Square fort, um am Ende, nach einem kurzen Internet-Stopp :), Richtung Norden bis zum Rand des Central Parks zu laufen. Dieser ist schon beeindruckend, wenn auch der Jahreszeit geschuldet ziemlich kahl und durchsichtig.

Die 7. Avenue entlang, ging es dann wieder Südwärts zurück zum Time Square, wo ich dann den Rest des Tages verbrachte. Es sei angemerkt, dass man sich bewusst sein muss, ca. 11 Stunden ohne Flüssigkeit, Toiletten und anderen Annehmlichkeiten auf einem mehr oder weniger kalten Platz zu stehen, umringt von einer Menge Menschen, die das gleiche Schicksal teilen, und das nicht, um eine tolle Show zu sehen, oder Teil einer gigantischen Party zu sein – den beides ist weder besonders glamourös noch die Warterei wert – sondern alleine für den Moment, wenn um 0 Ohr die Kugel herab gesenkt wird und man einen Platz mit ca. 1 Mio. Menschen in einen Freudentaumel ausbrechen sieht. Für mich war es eine tolle Erfahrung, aber eine, die man wenn nur einmal im Leben gemacht haben muss 🙂 – Fans von „Kesha“, „New Kids on the Block“ oder den „Backstreet Boys“ mögen das anders sehen.

Mein persönlicher, perfekter Moment in diesem Zusammenhang, war der Anblick der Menschenmassen bei Dunkelheit zu Johann Jöhannson’s „the sun’s gone dim and the sky’s turned black“ – furchtbarer Titel aber toller eKlassik-Track (u.a. gerade zu hören im „Battlefield LA“-Trailer zu hören) –  aus meinem MP3-Spieler.

Ein Kompliment muss ich den Beamtinnen und Beamten des NYPD machen. Sie haben einen fantastischen Job gemacht, die Menge unter Kontrolle zu halten. Dabei waren sie durchgehend freundlich und locker und behielten die Ruhe. Natürlich liegt das in einem großen Maß an Erfahrung mit Massenveranstaltungen und auch einem komplett verbot von Alkohol, Taschen, Feuerwerk und anderen Dingen, aber es hat mich schon beeindruckt wie flüssig die Menge so abgefertigt wurde.

Zuerst schafften die Beamten des NYPD einen großen Freiraum auf dem Platz (der Teil war schon ab morgens abgesperrt), dann wurde, als sich der Platz zunehmend mit Menschen füllte die Absperrung sukzessive vergrößert und schließlich an einigen wenigen Stellen geöffnet, wo man in kurzen Kontrollen, die Leute in die leeren Bereiche schleuste.

Das Party-Programm selbst begann um 18 Uhr New Yorker-Zeit mit dem feierlichen Anheben der in vielen Farben bunt animierten Kristallkugel und leitete eine Show ein, die einige kurze Moderationen mit Gästen beinhaltete, die aber nur aus TV und sonstiger lokal Prominenz bestand und die keiner außerhalb der USA kennen wird. Außerdem gab es von einem Kosmetikhersteller – dessen Namen ich hier mal ausklammere 🙂 – neben der großen Konzertbühne eine kleine zusätzliche Bühne in der Mitte, auf der über den Abend verteilt auch 2-3 Moderationen mit u.a. einem Best Kiss Wettbewerb stattfanden. Eben jener Sponsor gab auch blaue Hüte und Luftballons an die Menge.

Interessante Einblicke gab es in die Entstehung der aufgenommenen „Live“-Sendung, so traten die Musiker teilweise bis zu dreimal auf, dazu wurde das Publikum gefilmt – und wo die Kamera auftauchte wurde abgerockt – damit man später für die Sendung die passenden Schnittszenen hatte. Alles in allem waren 6 Stunden Show nicht mehr als 60-90 Minuten Programm, dessen Highlight für die angereisten Fans sicher der gemeinsame Auftritt der Back Street Boys und New Kids on the Block war. Im Nachhinein hätte ich lieber Karten für die Parallel in der Nachbarschaft stattfindende MTV Sause gehabt, wo u.a. Avril Lavigne und andere gute Bands aufspielten.

Auch vom Feuerwerk an sich war ich etwas enttäuscht. Von einem Happening wie Silvester in New York hätte ich ein gigantisches Farbenspiel erwartet, so war spätestens 5 Minuten nach 12 der Zauber schon vorbei, und die große Menge setzte sich zäh in Bewegung. Beim langsam Heimmarsch (ich musste bis zur Grand Central Station zurück, um überhaupt an meine U-Bahn ranzukommen) fühlte ich mich stark an den JJ Abrahms Film „Cloverfield“ erinnert, über den ich erst am Vortag im amerikanischen Fernsehprogramm gezappt war. Auch kam ich an einigen Iren vorbei, die das neue Jahr mit grünen Hüten und Dudelsack begingen, bzw. maskierten, die das willige Volk in einen Pub für eine Afterparty locken wollten – ich habe gepasst, weil zu müde und fertig.

Am Ende muss man sagen, was für ein Tag… habe tolle Bilder und Videos gemacht :).

In diesem Sinne,

Euer Falk

Anmerkung:

Dies ist ein persönliches Tagebuch meiner ersten Reise zum größten Apfel der Welt. Ich beschreibe darin Erfahrungen, die ich gemacht habe, Dinge die ich gesehen habe und welche Tipps ich anderen geben würde. Es ist kein Ersatz für einen Städteführer noch eine Garantie für die Richtigkeit, jeder getroffenen Aussage. Vielmehr habe ich versucht, in lockerem Stil meine Sicht zu Papier – bzw. Bits und Bytes zu bringen. Wer einen informellen Artikel zum Thema New York lesen möchte, der sollte Googeln oder National Geographic lesen!