Dekonstruktion einer Vision

Wer selbst kreativ arbeitet wird es schon erlebt haben. Man arbeitet Stunde um Stunde, Woche um Woche und Monat um Monat an einem Projekt und hat sich mal wieder selbst übertroffen. Dann ist man fertig und lässt das geistige Kind auf den ersten Außenstehenden los – im besten Fall ein Freund, der aber kein Blatt vor den Mund nimmt. Und dann passiert es: Das Szenario ist unglaubwürdig, den Charakteren fehlt Tiefe, der rote Faden hat mehr Knoten als ein Perserteppich.

Man verliert über dem Schreiben gerne mal die Objektivität zu seinem Werk. Das kommt leider vor und zeigt wie wichtig der Außeneindruck ist. Ich sage immer gern, dass für mich Schreiben Krieg zwischen meinen inneren Dämonen und mir ist. Doch der wahre Vorhof zu Hölle steht meiner Schöpfung und mir dann noch bevor.

Hat man das Skript zum ersten Mal fertig – alle Handlungsfäden untergebracht und die Helden gen Sonnenuntergang geschickt – beginnt die Reise erneut. Diesmal gilt es, soviel Abstand wie Möglich zwischen Skript und Autor zu bekommen, um wieder einen neutralen Blick auf das große Ganze zu bekommen. Zusammen mit dem ehrlichen Feedback in der Tasche, wird Szene für Szene, Absatz für Absatz, Dialog für Dialog und Zeile für Zeile mehrfach durchlaufen und man versucht die richtigen Stellschrauben zu finden.

Mal reicht es, die Dialoge umzuschreiben, mal muss ein neues Handlungselement integriert oder vielleicht auch eine Deus Ex Machina bemüht werden. Hat man diesen Prozess 2-3mal durchlaufen, geht das Skript abermals an die Vertrauensperson (evtl. auch eine andere) und man wiederholt die Schritte.

Bisher bin ich bei meinen Geschichten mit 2-3 Revisionen ausgekommen. Jetzt steht mir dieser Prozess beim Fluch2 bevor. Auch wenn man meinen sollte, dass es von Skript zu Skript leichter wird, ist es jedes Mal aufs Neue die Hölle für mich.

Aber – und dessen bin ich mir auch diesmal sicher – am Ende erstrahlt die lose Blattsammlung in neuem Glanz und die Sprecher erfüllen die Charaktere mit neuem Leben. Es wichtig und am Ende zählt das Ergebnis!

Glück auf und möge die Macht mit uns Autoren bei der Bearbeitung sein!

Euer Falk