Ein Beispielkapitel – Die Andere Welt

Hallo Zusammen,

da der NaNoWriMo einen großen Teil meiner Zeit Freizeit schluckt, möchte ich für Interessierte einmal einen kleinen Auszug posten, als Beispiel, wie ich aus einer Hörspielreihe ein Buch adaptiere / schreibe.

Die folgende Szene findet Ihr in Folge 1 bei Minute 1:56, bzw. downloaden könnt Ihr die Folge auf der offiziellen Seite der MindCrusher Studios: http://www.mindcrushers.de/produktionen/another_world.html

Dabei sollte man meinen, dass so eine Adaption ganz einfach von statten geht, schließlich gibt es ja schon die Geschichte und die Charaktere. Allerdings ist der Schlüssel, die vorhandenen Elemente sinnvoll auszuweiten, den Charakteren mehr Tiefe und Exposition zu geben und den ein oder anderen Logikfehler der Vorlage auszumerzen.

Ob es mir gelingt? Was meint Ihr? Das unten stehende Beispielkapitel ist noch nicht unredigiert und lektoriert – bitte zwerfleischt mich nicht gleich, wenn mir ein Fehler durchgerutscht ist… 😉

Kapitel 2 – Reparatur im All

“Mach schon Zak, wie haben nicht den ganzen Tag Zeit!”, krachte die Stimme des ersten Offiziers in Zak Fords Ohr. Dieser atmete tief durch und justierte behutsam die Kalibrierung seines Kombiwerkzeugs.

“Mensch!”, antwortete er leicht gereizt, “ich mache schon so schnell ich kann, Du alter Sklaventreiber!”

Spaziergänge in Schwerelosigkeit hatten absolut ihre Tücken. Mal ganz abgesehen davon , dass man während der EVA, der Extravehicular Activity, im wahrsten Sinne des Wortes nie wirklich festen Boden unter den Füßen hatte, konnte jeder noch so kleine Fehler der letzte sein. Ein Riss im Anzug oder ein Abtreiben von der Station bedeutete den sicheren Tod.
Damals auf der guten, alten Mutter Erde, hatte er in bester Weltraumerobererromantik sich seinen Job hier wie die absolute Erfüllung seines Kindheitstraumes vorgestellt. Er hatte über Jahre für diese Aufgabe trainiert und war am Ende nur die Zweitbesetzung gewesen. Nur um dann doch eine Chance zu bekommen, als der Unfall… naja, sein Vorgänger hatte einen dieser Ausflüge nach Draußen nicht überlebt – mehr oder weniger.

Die Realität holte jeden Träumer irgendwann ein. Und dem Ganzen nicht genug war jeder Handgriff auch noch eine reinste Qual. Wer auch diese Druckanzüge konzipiert hatte, hatte sie mit Sicherheit niemals selbst hätte tragen müssen.

“Zak, Mensch, wie lang dauert dass denn noch? In 15 Minuten treten wir in den Funkschatten ein! Wenn die Antenne bis dahin nicht wieder funktioniert, verlieren wir einen halben Tag!”, holte Ben Josephs Stimme Zak wieder aus seinen Gedanken. Der Astronaut stöhnte leise und warf noch einen verstohlenen Blick auf den winzigen Punkt am Rande des Horizonts, der mit viel Fantasie wie ein kleiner grün-blauer Fußball aussah.

“Noch ein Tag!”, flüsterte Zak kaum hörbar wie ein Mantra vor sich hin. Ja, er hatte das goldene Ticket nach Hause gewonnen. Er war als letzter Teilnehmer auf die Station gekommen und würde sie als erster wieder verlassen. Und wieder nach Hause zu seinem Sohn und seiner Frau – sofern er die Beziehung wieder kitten konnte, die sein irrsinniger Ausflug zu den Sternen ihm eingebracht hatte.

Er atmete erneut tief ein und aus, als er sein Werkzeug an der Querverbindung der Antenne ansetzte und erschrocken zurückwich, als ein Funke knapp an seinem Visier vorbei stob. Ein “Jesus Maria!”, entkam seinen Lippen, bis er sich wieder etwas gefangen hatte und feststellte, dass sein Eingriff trotz des kleinen Fauxpas erfolgreich gewesen war. “Verdammt war das knapp! Aber, Ben, jetzt solltest Du wieder was reinbekommen! Habt Ihr Empfang?”

“Ne Du! Immer noch Schnee auf allen Kanälen und dieses weiße Rauschen geht mir auf den Zeiger! Das kann ja meine Oma schneller fixen!”, kam die Antwort des ersten Offiziers.

Zak verzog das schweißgebadete Gesicht zu einer Fratze, die der Ranghöhere zum Glück nicht sehen konnte. Warum wollte das verdammte Ding den nicht? Dann sah er die angesengte Platine. Sie musste etwas abbekommen haben, als Zak den Stromkreis geschlossen und den Funken ausgelöst hatte. Routiniert angelte er mit Hilfe seines Werkzeugs das Ersatzteil aus dem Wartungskasten und began mit seinen schweren Handschuhen ziemlich ungelenk mit der Montage. Und siehe da, eine kleine, grüne Lampe seitlich der Konsole begann zu blinken.

“Hey Zak! Hast es wohl doch endlich geschafft! Wir haben ein Signal. Jetzt noch die Antenne neu ausrichten und wir sollten wieder mit Missioncontrol sprechen können. Das schaffen wir aber auch von hier drinnen! Also los, schwing deinen Allerwertesten wieder rein, ich lasse ein kühles Helles springen!”

So sehr der alte Brummbär einem auf die Nerven gehen konnte, so herzlich und fürsorglich konnte er sein, wenn die Pflicht getan war. Seufzend entfernte Zak seine Sicherungsleine und zog sich an der Außenwand entlang. Als er die Gangway erreichte musste er kurz inne halten, um seine Sicherungsleine auf die andere Schiene umzuhängen. Für einen kurzen Moment gestattete er sich einen weiteren flüchtigen Blick und seine Augen suchten nach der Erde. Morgen würde sein Dienst auf Infinity enden und das Versorgungs Shuttle ihn mit zurück nehmen. Er drehte den Zoom seiner Helmkamera auf höchste Stufe suchte nach dem fernen Punkt, wohlweislich, dass Ben Joseph ihn von der Zentrale aus auf seinem Monitor beobachten konnte, aber das war Zak in diesem Augenblick egal. Die Anspannung der Aufgabe hatte sich gelöst und lies einen Moment zum Träumen, bevor er sich wieder voll auf seine Aufgabe konzentrieren musste, wieder an Bord zu kommen.

“ZAK! ZAK, mach sofort das Du hier rein kommst! Da stimmt etwas nicht!”, drängte die Stimme Ben Josephs Zak zur Eile. Was sollte das? War doch alles wieder… doch dann es auch Zak. Es schien so etwas wie ein grüner, leuchtender Dunst zu sein, der sich dort konzentrierte, wo Zak die Erde vermutete. Doch sehen konnte er sie nicht mehr? Was auch immer das war, es verdichtete sich immer weiter und wurde zu einem Nebel, der sich Zusehends in alle Richtungen ausbreitete. Zak hörte sich ein ehrfürchtiges “Oh mein Gott!”, murmeln, als das Etwas unvermittelt zu einem großen Klumpen anschwoll, nur um sich dann im nächsten Augenblick in einem grellen Blitz zu entladen.

“Zak! Was machst Du da? Komm so fort rein, Du wirst sonst…”, insistierte die Stimme in seinem Ohr immer weiter, doch Zak war wie von Donner getroffen starr und unfähig sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Dann flammte das Leuchten hell wie tausende Sonnen auf und Zak schaffte es kaum noch das Visier seines Helmes zu schließen, denn das Licht stach wie tausend kleiner Nadeln in den Augen. Zak schrie vor unerträglichem Schmerz auf, bis ihm erschrocken bewusst wurde, dass er langsam von der Station weg trieb. Instinktiv riss er die Arme hoch, um sein Gesicht zu schützen und verlor den letzten Kontakt mit der Außenhaut.

“Ahh, meine Augen, Hilfe, verdammte Scheiße!”, brüllte er in sein Helmmikrofon als er sich weiter und weiter von der Station entfernte. Seine Panik hielt auch noch an, als seine Sicherungsleine mit einem gewaltigen Ruck ihn in die entgegen gesetzte Richtung katapultierte. Ein ansteigendes Rauschen hatte sich über den Äther gelegt und er konnte die Stimme des ersten Offiziers in den Interferenzen kaum noch ausmachen.

Und dann nicht mehr und die absolute leer sog ihn auf. Er entglitt in ein tiefes Meer aus Schwärze und die Welt um ihn explodierte in einer Kakofonie aus Rauschen, statischen Störungen und den lauten Rufen Bens.

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