Tag 11 – Kurzgeschichte: Einer dieser Tage…

Hallo Zusammen,

während ich gerade für ein anderes Projekt an Druckunterlagen arbeite, hier eine kurze Kurzgeschichte zum Thema ‚Arbeitssicherheit‘. Inspiriert durch den Kurzfilm „What’s in the box“, der leider zwischenzeitlich aus dem Internet verschwunden ist und durch Games, deren Nennung gleich das Ende spoilern würde. Aber bei 500 Wörtern könnt Ihr schön selbst lesen. Oder aber ihr wartet auf meine Soundintepretation der Geschichte. Nach Herzschmerz beim letzten Mal, geht es diesmal etwas blutiger zur Sache – also seid gewarnt.

Viel Spaß beim Lesen!

Euer Falk

Einer dieser Tage…

Ja, es war wohl wieder einer dieser Tage, wenn Du langsam zu Dir kommst, dank eines nervenaufreibenden Klingeltons und feststellen musst, dass das kein Klingelton ist, sondern der Generalalarm deiner Arbeitsstädte!

Ich kämpfte mich also langsam nach oben auf die Beine und versuchte das Pochen zwischen meinen Ohren zu ignorieren, während das Labor von roten, stroboskopartigen Lichtern durchflutet wurde. Da wohl der Hauptreaktor ausgefallen war, war das leider auch die einzige Lichtquelle im Raum. Deshalb stolperte ich zuerst etwas unbeholfen über ein merkwürdiges, verkrümmtes Ding auf den Boden und landete direkt wieder auf dem Hosenboden. Benommen nach der Ursache meines Sturzes forschend griff ich nach etwas Weichem. Ich zuckte zusammen als ich den Körper eines Kollegen erkannt hatte. Obwohl es zu dunkel war, das Gesicht zu erkennen, konnte das nur James oder Pete sein. Den Ernst der Lage noch nicht ganz erfassend hoffte ich, dass es nicht Pete war – der Junge schuldete mir noch 50 Mäuse vom letzten Pokerabend! Aber dieser Lärm war kaum zu ertragen.

Mit gebotener Vorsicht und wackelig auf den Beinen tastete ich mich zur Wand und dort zum Panel neben der Eingangsschleuse. Mühsam tippten meine Finger über die Tasten und mit einem Mal waren der Frieden und die Stille wieder hergestellt und der große Deckenfluter begann zuckelnd den Raum zu erhellen. Nur damit ich mir nächsten Moment wünschte die Dunkelheit käme zurück. Um mich herum lagen James, Pete, Thomas und Eliza in ungesunder Haltung und verdrehter Wirbelsäule in ihren Blutlachen und würden nie wieder auch nur einen Piep von sich geben.

Die Frage, was zur Hölle hier geschehen war, beantwortete sich schneller als ich es mir rückwirkend gewünscht hatte. „Experiment fehlgeschlagen! Notabschaltung des Reaktors! Kühlkreislauf leck geschlagen! Alle Mitarbeiter werden aufgefordert, sich umgehend in die Notevakuierungsbereiche zu begeben!“ – Die sonore Stimme unserer Labor-KI listete alle meine Lieblingsreizworte meinen Arbeitsplatz betreffend in diesen nur vier Sätzen auf. Was für ein Scheißtag! Abermals durchsuchten meine Blicke den Raum und blieben am Versuchsaufbau unseres Labors hängen:

Das Wolframgewebe war aufgeplatzt und hatte wohl unter Spannung wie eine Peitsche durch den Raum geschnalzt und das Sicherheitsglas und meine bedauernswerten Kollegen erwischt. Dahinter war aber auch kein Isotop mehr, das wir zum Testen des neuen Strahlenschutzes in die Versuchskammer eingesetzt hatten. Doch die Kammer war nicht leer. Ein roter, wabernder Plasmaball schwebte dort genau in ihrer Mitte! Die Stimme der KI drang jetzt nur noch dumpf und leise an meine Ohren: „Quarantäne Alarm! Schadstoff in Testkammer entdeckt. Siegel gebrochen. Verlassen sie unbedingt umgehend das Gelände! Noch 1 Minute, bis zu Notfallquarantäne“. Ich war starr vor Schreck als ich eine Fratze auf diesem Unding erkannte. Weitaufgerissene Augen und ein klaffendes Maul, das aufschrie als das Monster mich erkannte und mit einem Affenzahn auf mich zugeglitt kam.

Und jetzt wurde mir bewusst, woher meine Kopfschmerzen kamen. Meine Finger tasteten nach meinem Kopf, und erfühlten zuerst etwas Klebriges, um dann den Rand des Bleizylinders zu erfassen, der das Isotop geschützt hatte und jetzt in meinem Kopf steckte. Ich kreischte auf. Und während das Ding sich in mein Gesicht bohrte und mir die Sinne raubte, zählte die KI langsam von 10 Abwärts, um das Quarantäneprotokoll auszuführen und das Gebäude implodieren zu lassen, um hoffentlich welches Höllenloch wir auch immer aufgerissen hatten zu verschließen. Eben einer dieser verdammten Tage…

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