Übers Schreiben

Illustriert von Colin M. Winkler

Es ist ein Puzzlespiel, bei dem Am Anfang eine Idee und ein Beutel voller unscharfer Augenblicke vor mir liegen. Dabei schüttele ich den Inhalt vor mir aus und versuche grob vorzusortieren. Wo geht es los, wo endet es, wo sind die Eckpunkte und um wen geht es überhaupt? Dabei geht es nicht immer in die vollen, bzw. ergibt sich ein koherentes Bild. Manchmal bleibt das was sich da ausbreitet noch abstrakt. Eine Summe von Einzelstücken, die noch keinen rechten Sinn ergeben. Und dann Wälze ich das Konstrukt hin und her und sehe neue Fragmente, Bilder, Szenenausschnitte, die ausfblitzen. Und jedes Mal, wenn ein neues goldenes Puzzlestück da vor mir liegt, glitzernd und unendlich kostbar, durchströmt mich ein warmer Schauder und ich will weitermachen und noch mehr entdecken. Es ist ein unbeschreiblicher Moment der Klarheit, als wäre ich ein Schläfer und wäre endlich aufgewacht.

Doch so schnell diese Momente manchmal kommen, so schnell kann die Chance vorbei gehen. Bin ich nicht schnell genug, die Idee zu Papier zu bringen ist sie manchmal wieder unscharf. Die Motivation verpufft und ich bleibe mit einem Gefühl der Leere zurück, weil ich den Berg wieder nicht bezwingen konnte.

Schreiben ist für mich Erfüllung und Kampf zugleich. Es ist Krieg mit mir selbst und eine phantastische Reise, die sich manchmal wie von selbst schreibt. Dabei reicht es mir oft nicht, nur die Geschichte zu erzählen. Am liebsten habe ich es, wenn ich auch das ganze Umfeld beschreiben kann. Das funktioniert in Hörspielen durch viele kleinen Details, wie Nachrichtenschnipsel, Geräuschkulissen und vielen Lagen an Hintergrundinformation, die an vielen Stellen der Geschichte teilweise offen ausgebreitet und manchmal auch nur impliziert wird.

Ein Beispiel aus dem Fluch ist der Name Karpov, der in Folge 2 einmal erwähnt wird, aber später nicht wieder vorkommt. Oder doch? Gibt es da nicht einen russischen Killer Stephen Feinbergs Mutter, eine Überläuferin am Höhepunkt des kalten Kriegs, aus dem Verkehr zieht. Es gibt viele lohse Verbindungen zwischen Fäden, die sich erst bei genauer Betrachtung erschließen lassen und für viele wahrscheinlich viel zu weit hergeholt scheinen. Doch bei einer Mysterystory sollte immer eine Menge Potential für eigene Gedanken und Theorien des Publikums bleiben. Schönstes Beispiel hier sei ‚Lost‘ genannt, die das Geheimnis der ‚Mystery-Boxes‘ zu einer Kunst erhoben hatten, woran am Ende die Geschichte aber leider auch gescheitert ist. Über die Jahre wurden Erwartungen aufgebaut die jede noch so logisch und komplexe Auflösung nie mehr hätte erfüllen können. So trat die Geschichte in den Hintergrund und im Vordergrund blieben nur noch die Charaktere übrig.

Noch ein Grund den Fluch in nur 6 Teilen zu erzählen, nicht mehr, nicht weniger. Mit allen daraus entstehenden Konsequenzen. Und ein Grund, weswegen ich mir mit meiner Space Opera jetzt schon bald 10 Jahre Zeit lasse, um die Geschichte so erzählen, wie ich es mir wünsche und für mich der Hauptgrund, weswegen ich das Geschichtenerzählen noch rein als ‚Nebenberuf‘ betreibe.

Und dann kommt wieder ein Blitz mit Bilder und Sequenzen und ich habe wieder eines der goldenen Puzzlestücke gefunden. Ein Moment, der sich in den Story- und Charakterbogen einschließt und einen weiteren starken Einschlag hat. Zeit dieses Fragment genauer zu untersuchen, um etwas mehr über die ‚Rote Hand‘ zu lernen, die eine so zentrale Rolle in der Geschichte an sich spielt.

Sie als Vagabundierende Raumpiraten zu beschreiben greift noch zu kurz, stellt aber gut den Ausgangspunkt dar, aus dem die spätere Gefahr erwächst. Eine Gruppe zielloser und nur von einem Überfall zu nächsten denkenden Einsiedler, die plötzlich mit einer neuen Führungspersönlichkeit konfrontiert werden, die Ordnung in die Anarchie bringt, und für frischen Wind und Wandel sorgt. REN ist als Anführer so nebulös, wie es sein muss, nur um zum Scheitelpunkt der Geschichte, seine Identität, bzw. Ursprung zu offenbahren.

Jetzt aber genug philosophiert, zurück an die Arbeit! 🙂

Schönen Sonntag,

Euer Falk

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