I, Robot, USA 2004, Laufzeit: 115 Minuten, FSK 12 

Regie: Alex Proyas
Mit: Will Smith, Bridget Moynahan, Bruce Greenwood, James Cromwell, Alan Tudyk, Chi McBride, Shia LaBeouf

Kurzinhalt:
Detective Del Spooner (Will Smith) untersucht den angeblichen Selbstmord an einem Roboter Designer. Dabei stößt er auf einen unerwarteten Verdächtigen. Hat der Roboter „Sonny“ seinen Meister umgebracht? Kann das möglich sein, schließlich würde das ja grundlegend den in seine Hardware integrierten Robotergesetzen widersprechen. Mit Hilfe von Dr. Susan Calvin stößt er bald auf ein Geheimnis, dass bald schon epische Ausmaße annimmt und schließlich Spooner in tödliche Gefahr bringt.

Kritik:
Den Regisseur Alex Proyas kennen wir bisher von Filmen, wie der düsteren Kultcomic-Verfilmung „The Crow“ und dem Noir-SF-Streifen „Dark City“. Will Smith kennt man am ehesten aus seinen Blockbuster-Filmen „Men in Black“, „Bad Boys“ oder „Independence Day“. Wenn sich jetzt beide zusammen tun, um aus einer Kurzgeschichten-Sammlung von Isaac Asimov einen neuen Hollywood-Blockbuster zu machen, kann das Ergebnis eigentlich nur ein weiterer Vertreter der platten Fließband-Produktion Hollywoods oder ein SciFi-Leckerbissen der besonderen Art werden. Als man die ersten Bilder des Trailers im Internet sehen konnte, breitete sich Skepsis aus. Konnte der bisher eher durch kleinere Genre-Filmchen bekannte Proyas auch einen Mainstream-Blockbuster drehen, ohne über seine Schnürsenkel zu stolpern? Würde Smith auch in einem SF-Genrefilm eine gute Figur machen? 110 Minuten später wissen wir: Ja, das geht und der Film macht irre Spaß. Er stellt einmal wieder unter Beweis, dass sich Kult, Klasse und Kommerz durchaus vereinen lassen und das auf mehr als beeindruckende Weise! Aber gehen wir mal ein wenig ins Detail:

Gesetz 1:
Ein Robot darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.

Gesetz 2:
Ein Robot muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.

Gesetz 3:
Ein Robot muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem ersten oder zweiten Gesetz widerspricht.

Diese „Gesetze der Robotik“ wurden in den späten 30ern von Isaac Asimov geprägt. In seinen zahlreichen Kurzgeschichten über Roboter und ihr Zusammenleben mit Menschen spielten sie immer eine zentrale Rolle. So auch in seiner Kurzgeschichtensammlung „I, Robot“ (Zu Deutsch: „Meine Freunde, die Roboter“). Das in Amerika 1950 publizierte Werk ist das sicher bekannteste Buch des Kultautors, der ohne Zweifel zu den einflussreichsten SF-Autoren des 20. Jahrhunderts zu zählen ist.

Das letztendlich im Film nicht so viel vom Buch zu finden ist, erkennt man spätestens im Abspann: „Suggested by Isaac Asimov“ ist da zu lesen. Tatsächlich tauchen vielmehr primär Orte und Personen aus dem Buch im Film wieder auf, so z.B. Dr. Alfred Lanning oder Dr. Susan Calvin und die Firma U.S. Robotics. Dennoch bemüht sich der Film, inhaltlich Asimov treu zu bleiben.

Im Jahre 2035 haben Roboter längst Eingang in unser tägliches Leben gehalten. Sie führen Hunde aus, tragen ihren Besitzern Taschen nach und liefern Pakete aus. Dabei sind die dienstbaren Geister immer zuvorkommend und freundlich. Doch was passiert, wenn die Roboter anfangen, sich weiter zu entwickeln? Wenn sie anfangen, über die Gesetze nachzudenken und eine eigene Interpretation finden? Und darf man einer logisch denkenden Maschine blind vertrauen oder führt uns das am Ende vielleicht in eine Art Sklaverei?

In erster Linie aber, haben wir es mit einem reinrassigen SciFi-Blockbuster zu tun, der sich am Anfang als futuristischer Krimi tarnt und ein wenig an die gleichnamige „Outer Limits“-Episode mit Leonard Nimoy erinnert, in der der Roboter „Adam“ vor Gericht steht. Er soll seinen Schöpfer getötet haben und der von Nimoy gespielte Anwalt muss, trotz aller Widerstände des Justizsystems, ihn verteidigen.

Aber der Film ist mehr. Neben dem sehr starken philosophischen Ansatz kommt auch die Aktion nicht zu kurz. Dabei wird sehr viel mit CGI gearbeitet, was sicher den ein oder anderen stören wird, dem Film aber einen sehr eigenen Look gibt. Die Welt, die hier entwickelt wird, erinnert in Ansätzen an das Design von Spielbergs „Minority Report“, geht aber noch ein ganzes Eck weiter. Es scheint so, als könne man die Welt, in der Del Spooner lebt, fast greifen, so lebendig ist sie geworden. So kommt man sich auch zu keinem Zeitpunkt eingeengt vor. Auch das Produkt-Placement darf nicht fehlen, ist aber bei weitem nicht so extrem wie bei Spielbergs Dick-Verfilmung. Sehr auffallend ist dabei der Ingolstädter Wagen, den Smith hier fährt. Anders als bei anderen Filmen, wo Autohersteller nur die neuen Modelle vor ihrer Veröffentlichung den Produktionen zur Verfügung stellen, oder Designstudien Verwendung finden, wurde von besagter Firma eigens ein Auto entworfen und den speziellen Bedürfnissen des Films angepasst.

„Gollum-Wer?“

Die größte Herausforderung der Produktion war aber die Darstellung der Roboter. Die neu eingeführte N5-Serie ist im Film dank flexibeler Gesichtmotoren auch in der Lage, menschliche Emotionen zu imitieren. So kam die gleiche Technik, die schon bei „Herr der Ringe“ zu bewundern war, zum Einsatz. Dabei schlüpfte der Mime Alan Tudyk in die Rolle des „Sonny“ und wieder dürfen wir den nächsten Schritt in der Evolution der künstlichen Akteure erleben, denn so realistisch haben Animationen nie ausgesehen. Vor allem die schnellen Bewegungen und die Zeitlupensequenzen zeigen sehr exakte Bewegungsabläufe. Auch die Interaktionen mit der „realen“ Ebene sind mehr als gelungen.

Seit „Matrix“ sind raffinierte Kamerafahrten á la „Bullet Time“ ein großes Must-Have moderner Hollywood-Produktionen. Auch der sehr visuell veranlagte Proyas griff kräftig zu und schaffte es einige der halsbrecherischsten Kamerafahrten, die es in den letzen Jahren zu sehen gab, zu schaffen. Dabei kreist die Kamera beispielsweise in multiplen Geschwindigkeiten um den Akteur, der gerade auf einer Brüstung mit einem Roboter kämpft. Da wird dem Betrachter leicht schwindelig. Auch einige Zeitlupenaufnahmen gehören zu den fleißig angewandten Stilmitteln.

Bei den ganzen Effekten und dem ganzen Screendesign, darf aber die wichtigste Komponente eines guten Films nicht vergessen werden. Die Darsteller!

Allen voran einmal mehr Will „Staatsfeind Nummer 1“ Smith, der die Rolle des Roboter-hassenden Cops auf den Leib geschrieben bekam. So macht er eigentlich auch in jeder Szene eine gute Figur und darf sich vom verbitterten, zynischen Cop zum gut gelaunten Retter der Welt entwickeln. Die Frauenwelt dürfte sich gleich in der ersten Szene freuen, wenn Mr. Smith unter der Dusche seinen nackten Allerwertesten in die Kamera halten darf.

Die weibliche Hauptrolle Dr. Susan Calvin wird von Bridget Moynahan gespielt. Sie gehört noch zu den „frischen Gesichtern“ in Hollywood, durfte sie bisher hauptsächlich in Filmen wie „Sum of All Fears“ („Der Anschlag“ mit Morgan Freeman und Ben Affleck nach Tom Clancy) das schmückende Beiwerk spielen. Jetzt darf sie endlich durchstarten und liefert eine sehr überzeugende Darstellung ab. Auch die Chemie zu Smiths Cop stimmt und so dürfen wir uns über einige witzige Dialoge zwischen beiden freuen.

Eher eine Nebenrolle ist Dr. Lanning, den man eigentlich nur als Leiche, in Videos oder als Hologram sehen kann. Trotzdem ist die Rolle mit dem viel beschäftigten und vielseitigen James Cromwell sicher bestens besetzt. Ihn kennt der Trekkie vor allem als Zephram Cochrane in „Star Trek: First Contact“ („Star Trek 8 – Der erste Kontakt“), aber auch sein Bauer Hogget in der „Schweinchen Babe“-Reihe machte den in Kalifornien geborenen, aber in Manhattan aufgewachsenen Mimen einem größeren Publikum bekannt.

Wenn man den Namen Alan Tudyk hört, wird man mit ihm weder einen Film, noch ein Gesicht verbinden können. Dabei hat er schon in Filmen wie dem Entzugsdrama „28 Days“ (mit Sandra Bullock), „A Knights Tale“ („Ritter aus Leidenschaft“ mit Heath Ledger) oder an der Seite von Anthony Hopkins in „Hearts in Atlantis“ mitgewirkt, allerdings nur in Nebenrollen. In „I, Robot“ leiht er dem Roboter „Sonny“ sein Gesicht und seine Stimme, und steht das erste Mal mit in der ersten Reihe. Fans der Serie „Firefly“ dürften ihn übrigens in der Rolle des Jerry Lee „Wash“ Warren bewundern, eine Rolle die er auch im anstehenden „Firefly“-Film „Serenity“ übernehmen wird.

Jeder Film braucht aber auch einen undurchschaubaren Schurken und auf genau diesen Rollentypus ist der Akteur Bruce Greenwood abonniert. Zu seinen besten Arbeiten gehören dabei „Disturbing Behavior“ (Teenie-Horror „Dich kriegen wir auch noch“) und „Below“ (U-Boot Horror von David „Chronicles of Riddick“ Twohy). In „The Core“ durfte er bereits bei einem Blockbuster mitwirken, auch wenn der Film an den Kinokassen leider hinter seinen Erwartungen blieb. Interessant: In „The Companion“ (auf Deutsch „Dream-Lover“) durfte er schon mal einen Androiden spielen, der in Widerspruch mit seiner Programmierung geriet. Auch wenn der Film an sich relativ eindimensional und trivial war, überzeugte Greenwoods Darstellung auf ganzer Linie.

Eine wichtige Rolle übernimmt im Film auch die Musik, die zwischen unheimlich und epochal eine breite Bandbreite abdeckt. Für die Score zeichnet sich einmal mehr Marco Beltrami verantwortlich, der bereits auf weite Erfahrungen im Genre des phantastischen Kinos zurückblicken kann. So stammten u.a. die Scores der „Scream“-Trilogie, „Blade II“, „Resident Evil“ (mit Unterstützung von Marylin Manson) und des 3. Terminator-Films aus der Feder des Italieners. Auch wenn die Musik keine Hauptrolle einnimmt und nur begleitet, passt sie sich wunderbar in das futuristische Setting ein.

Fazit:
Perfektes Beispiel, warum sich Kommerz und Klasse in einem Blockbuster nicht ausschließen müssen. Dabei lebt der Film hauptsächlich vom visuellen Futurismus Alex Proyas und der Coolness von Will Smith. „I, Robot“ rockt, macht einfach Spaß und liefert gleichzeitig gute Science Fiction ab. So muss ein Sommer-Blockbuster sein, dann klappt’s auch mit der Nachbarin… ähh, den Kinozuschauern…

Kino
Der Film kommt am 5. August 2004 in die deutschen Kinos.

Credits:

Text & Produktion: Falk T. Puschmann
Music & Soundbites: Pressekit, Copyright 2004 20th Century Fox
Produktion 2004 für SF-Radio, Audio 51

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