Der heutige Hörtipp entführt uns nach Ozeanien. Das Land befindet sich in einem scheinbar unendlichen Krieg mit dem Nachbarn Eurasien. Der Alltag wird durch allgegenwärtige Überwachung, Versorgungsengpässen, organisiertem Hass, Angst und Einsamkeit beherrscht In dieser dystopischen Zukunft der Vergangenheit lernen wir Winston Smith kennen, der für das Ministerium für Wahrheit arbeitet. Er passt die archivierte Geschichte von Ozeanien im Sinne der herrschenden Partei des sog. großen Bruders an, denn die Partei hat natürlich schon immer immer Recht gehabt. Er lebt alleine und desillusioniert, bis er eines Tages auf Julia trifft. Die junge Frau scheint ihn zu beobachten. Ob Sie ein Spitzel der Gedankenpolizei ist? Doch dann gesteht sie ihm die Liebe und was noch an winzigem Keim Widerstand in Winston schwelt, wird erneut zu einer Flamme entfacht. So beginnen die beiden eine heimliche, leidenschaftliche Affäre, doch Winston ist das bald nicht genug. Es muss doch einen Widerstand gegen die Partei und den großen Bruder geben! Im Parteifunktionär O’Brien scheint er diesen Kontakt zum Widerstand ausgemacht zu haben und zuerst scheint er endlich am Ziel zu sein, doch dann kommt alles anders! Und mit einem Mal gerät Winston mitten in die Maschinerie des totalitären Regimes. Auf den Fluren des Ministeriums der Liebe wird er bald zweifeln, ob er denn nun 4 oder 5 Finger sieht – ist 2 + 2 = 4?

Das Buch 1984 vom Britten George Orwell als Kultklassiker zu bezeichnen greift dem ganzen viel zu kurz. Es ist in meinen Augen nachwievor eines der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts. Man möchte meinen, dass wir in einer aufgeklärten Zeit leben und doch sind Themen wie Missinformation, Manipulation, Hass und Gewalt allgegenwärtig. Und damit meine ich NICHT, dass wir in einer Diktatur leben – das ist Unfug – sonst könnte nämlich nicht jeder auf der Straße seine Meinung äußern und – sofern er sich an ein paar Basics hält auch dafür demonstrieren – , aber Buzzwords wie Deepfake , wo es heute schon u.a. möglich ist, verstorbene Schauspieler erneut zum Leben zu erwecken, und auch das gezielte Platzieren von Falschinformationen findet dank Social Media & Co nährhaften Boden. Wir – und da nehme ich mich nicht aus – lassen uns viel zu schnell emotionalisieren, ohne das vorher kritisch zu Hinterfragen. Und mit was für Daten über uns, unser Verhalten wir für die Nutzung der Sozielen Netze bezahlen oder welche Mikrofone wir dank Smartdevice wir selbst in unseren Wohnungen platzieren hinterlässt doch das ein oder andere schale Gefühl im Magen zurück.

Dementsprechend ist es schön, dass sich 1984 nicht nur als Roman in unserem Kulturkreis gehalten hat, sondern auch andere Medien wie die große Leinwand, aber auch die heimischen Player die Geschichte rund um Winston Smith zum Leben zu erwecken.

Es gibt diverse Vertonungen als Hörspiel oder Hörbuch, davon habe ich Euch 3 einmal mitgebracht – Disclaimer, habe ich alle 3 selbst gekauft.

Hörspieladation Nummer 1 stammt von 1977 aus den Studios der RIAS Berlin und des Südwestfunks. Mit nur 106 Minuten auf 2 CDs sicher die kompakteste Version. Die Besetzung kann sich mit Ernst Jacobi, Angela Winkler und Dieter Botsche auch hören lassen, dass Sounddesign ist der Zeit nach sehr klassischen mit einigen Nachrichteneinschüben aufgelockert.

Hörspieladaption Nummer 2 ist aus dem letzten Jahr vom Bayrischen Rundfunk und Deutschlandfunk Kultur. In 249 Minuten ist der Roman natürlich deutlich umfangreicher abgebildet und wir können viel mehr über das Leben in dieser unwirklichen Welt erfahren. Ab und an ist die Adaption etwas anstrengend zu hören – es ist eine zeitgenössische Radioadation – insgesamt aber auch sehr empfehlenswert. Regie und Bearbeitung hatte hier Klaus Buhlert. Zu hören sind Frank Pätzold, Felix Goeer, Elisa Plüss uvm.

Und Last but not least eine ungekürzte Lesung mit 740 Minuten – da bin ich aktuell noch dabei – mit Axel Wostry, der mit angenehmer ERzählerstimme durch die Geschichte führt mit zeitgenössischen Musikeinschlüssen von Leonhard Kuhn. Regie hatte dabei Claus Vester – den kennt der eine oder andere aus der Innovative Ficiton Hörspielreihe „Der Fluch“ als Vater von Sheriff Kate O’Conner.

Und wer zum Ton lieber auch noch ein Bild hat, dem sei die Verfilmung mit John Hurt und Richard Burton ans Herz gelegt, die ich auch sehr gelungen fand.

Kennt Ihr 1984? Was sind Eure Lieblingsdystopien? Und was haltet Ihr zwischendurch für etwas ernstere Hörtipps bei Hoertrailer.TV?

Bleibt gesund, keep und listening und big brother is watching you!

In dem Sinne, Euer Falk!

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