Cypher, USA 2002, Laufzeit: 95 Minuten, FSK 12

Regie: Vincenzo Natali
Mit: Jeremy Northam, Lucy Liu, Nigel Bennet, Timothy Webber, David Hewlett, Kari Matchett uvw.
Music: Michael Andrews

Kurzinhalt:
Um seinem eintönigen Leben zu entkommen, bewirbt sich Morgan Sullivan bei der Firma DigiCorp als Industriespion. Unter dem Decknamen „Jack Thursby“ wird er von Gesundheitsmesse zu Gesundheitsmesse geschickt, um dort Vorträge aufzuzeichnen, und er geht Zug um Zug langsam in seiner Rolle auf. Dann trifft er allerdings auf die geheimnisvolle Rita, die eine unglaubliche Geschichte erzählt und ihn damit tief in eine undurchsichtige Verschwörung zieht, die Morgan zu einem Doppelagenten macht und die Grenzen seiner bisherigen Welt zu sprengen scheint. Ist er Jack Thursby oder Morgan Sullivan oder ist er jemand völlig anderes?

Kritik:
(mit leichten Spoilern)
Der Genre-Kenner verbindet den Namen Vincenzo Natali durch sein hoch gelobtes Regiedebüt „Cube“. In „Cypher“ erzählt er nun in kühlen, aber fesselnden Bildern, einen absoluten Top-Thriller, bei dem der Zuschauer schon bald den Faden zu verlieren droht, so viele Plottwists mutet er seinem Publikum zu.

Es geht um Gehirnwäsche, den Kampf großer Konzerne um die Weltherrschaft, die Willkür gegenüber dem Einzelindividuum und wie es dann doch das kleine Rad trotz allem schafft, die Maschinerie empfindlich ins Wanken zu bringen. Nichts ist wie es scheint und alles gehört zu einem großen Plan, der erst gegen Ende des Films offenbart wird und alles hinweg weht, was wir bis dahin im Film erlebt haben.

Natali jagt seinen Protagonisten in ein undurchsichtiges Verwirrspiel, bei dem der Held nie weiß, wem er wirklich trauen kann und wer er in Wahrheit ist und der Zuschauer wird genauso im Dunkeln gehalten, bis zu einem fulminanten Finale und einem Ende, das alle cube-vergraulten Fans des fantastischen Films mehr als entschädigt.

Dabei verzichtet er fast komplett auf bekannte Gesichter. Allein Lucy Liu, die die undurchsichtige Rita spielt, ist uns ja nur allzu bekannt als Engel „Alex“ aus den „Charlie’s Angels“- oder „Drei Engel für Charlie“-Filmen. Daneben haben wir noch Jeremy Northam als Morgan Sullivan, Genre Fans unter anderem aus dem Guillermo del Toro Film „Mimic“ dunkel im Gedächtnis, der ansonsten aber ein noch sehr unverbrauchtes Gesicht mit unbestreitbarem Potential und sehr wandlungsfähig ist. Zuerst erleben wir ihn als biederen Morgan Sullivan, dann als lockerer werdenden Jack Thursby und zuletzt als … aber das wollen wir hier natürlich noch nicht verraten! Auch in diesem Natali-Film wieder dabei ist David Hewlett, der hier diesmal nur in einer Nebenrolle als Vault-Verwalter Dunn zu sehen ist, aber umso interessanter und vielschichtiger spielt. Auch die übrigen Rollen sind sehr gut und durchdacht besetzt und überzeugen.

Außerdem sieht man dem Film auch an, dass Natali diesmal ein richtiges Budget zur Verfügung hatte und sich so vielmehr austoben konnte. Das Ergebnis sind tolle, kühle, stilistische Bilder, die dem Film einen sehr coolen, technischen, faszinierenden Look geben und einmal mehr zeigen, dass Natali ein sehr visueller Regisseur ist, der vor allem mit seinen Bildern, aber auch einer intelligenten Story, überzeugt.
So sollte sich jeder, der auf intelligentes fantastisches Kino steht, auf jeden Fall den Streifen ansehen. Jede der 97 Minuten lohnt sich!

Hier in Deutschland war der Film leider nur auf dem Fantasy Filmfest 2003 zu sehen und zählte sicherlich zu einem absoluten Highlights des Filmemarathons. [Anm.: Das Fantasy Filmfest ist vom 6.8. bis 13.8.2003 in Frankfurt und Köln, vom 13.8. bis 20.8.2003 in Berlin und Hamburg] Wer ihn dort verpasst hat, bekommt aber voraussichtlich bereits im 16. Dezember die Möglichkeit, sich den Film als DVD ins Regal zu stellen, der Verleihfan hat bereits am 21.10. die Gelegenheit seine eigene Meinung zu dem Streifen zu bilden.

Ich sage also nur „Two Thumbs Up“ und harren wir gespannt mit welchem Film Natali uns als nächstes das Gehirn wäscht.

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